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Zusammenfassung: Bei Lastenrädern gibt es unterschiedliche Bauweisen und über ein Dutzend Hersteller. Bei den Lastenrädern zum Kindertransport reichen die Preise je nach Modell und Ausstattung von etwa 1.500 Euro bis 7.000 Euro. Unbedingt sollte man Modelle unterschiedlicher Bauweise Probefahren. Am besten leiht man hierzu tageweise entsprechende Räder aus, um zu sehen wie FahrerIn und Passagiere damit zurecht kommen.

Für Neulinge gilt: Es ist normal, mit einem Lastenrad in den ersten Minuten sehr unsicher zu sein. Spätestens nach einer Stunde sollte man schon recht souverän sein, ansonsten taugt das Rad nichts und ein Modell einer anderen Kategorie sollte getestet werden (siehe unten).

Unsere Kinder freuen sich regelrecht darauf, Lastenrad zu fahren. Es gibt dabei viel zu sehen und sie genießen das Gequatsche miteinander.
Mutter, Mitte 30, Köln

Ein passende Lastenrad kann für Eltern und Kinder eine große Bereicherung der persönlichen Mobilität sein.

Dein ideales Transportrad für Kinder

Das perfekte Lastenrad für die Familie gibt es so generell nicht. Je nach FahrerIn, Wohnort und Lebensituation eignen sich unterschiedliche Modelle am besten. Die folgenden Punkte sollte ein gutes Lastenrad erfüllen.

  1. Alle relevanten Elternteile können das Rad sicher manövrieren und haben Freude daran, mit dem Rad zu fahren.
  2. Die Kinder fühlen sich im Lastenrad wohl und fahren gerne mit. Während der Fahrt kann das Kind mit der FahrerIn und den eventuell mitfahrenden Kindern reden ohne schreien zu müssen.
  3. Für die Sicherheit des Lastenrads sind wichtig: gute Bremsen, stabile Verarbeitung und ordentliche Sitze für die Kinder. Mit Kleinkindern sollte das Rad über über IsoFix- bzw. MaxiCosi-Halterung verfügen.
  4. Hochwertige Bauteile und eine robuste Verarbeitung reduzieren nervige Werkstattaufenthalte. Erfahrungsberichte im Internet und der Austausch mit Bekannten, die ein Rad dieses Herstellers bereits nutzen, helfen hierbei. Probleme mit dem Motor, dem Akku und der dazugehörigen Steuerung sind nervig und teuer.
  5. Kein Lastenrad ist handlich. In den Keller tragen kann man eigentlich keines. Es gibt aber doch große Unterschiede wie leicht das Rangieren fällt. Ohne Mühe sollte man das beladene Rad schieben oder wenden können. Auch eine Treppenstufe sollte zumindest mit dem unbeladene Rad zu überwinden sein.
  6. Ein gutes Lastenrad lässt sich flexibel nutzen. Ein weiteres Kind kann spontan mitgenommen werden. Auch ein paar Getränkekisten können ohne große Umbauarbeiten sicher verstaut werden.
  7. Weil es viele Hersteller gibt, sollte man darauf achten, dass ein Händler vor Ort die gewünschte Marke führt. Ansonsten wird es problematisch, wenn ein Defekt auftritt. Das Versenden eines defekten Lastenrads ist recht kostspielig.

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Hilfe, Lastenräder sind so teuer!

Das günstigste Lastenrad gibt es schon ab etwa 1.500 Euro, beispielsweise das Babboe Big. Hochpreisige Räder haben meist Komponenten wie hydraulische Bremsen, einen Riemenantrieb anstatt einer Kette oder einen E-Motor als Tretunterstützung. Mit Zusatzausstattung wie Regenverdeck, Schloss oder einer Lackierung in Wunschfarbe kann ein Lastenrad für die Familie auch 7.000 Euro kosten. Eventuell stehen Förderungen von Stadt, Land oder Bund zur Verfügung.

Erfreulicherweise zieht ein Lastenrad normalerweise nur wenige laufende Kosten nach sich. Gegenüber einem Auto muss beispielsweise kein Sprit, keine KFZ-Steuer und auch keine Parkgebühren einkalkuliert werden. Ein aufgeladener Akku kostet bei einem Lastenrad übrigens nur wenige Cent Strom.

Brauche ich ein Lastenrad mit Motor?

Sofern regelmäßig längere Strecken oder Steigungen zurückgelegt werden, empfiehlt es sich, die Mehrkosten von etwa zwei Tausend Euro für einen E-Motor in Kauf zu nehmen. Wer keine oder kaum Steigungen auf den täglichen Wegen hat, kann auch ohne Motor glücklich Lastenrad fahren. Ein Rad ohne Motor ist deutlich günstiger, aber auch wartungsärmer und mindestens fünf Kilogramm leichter. Der Aufwand, den Akku zu laden bzw. daran zu denken, ihn zu laden fällt ebenfalls weg. Auch hier gilt: testen, was besser zur jeweiligen Lage passt.

Die verschiedenen Lastenräder für Familien

Wir empfehlen, zunächst von jeder Kategorie mindestens ein Modell zu testen, um dann innerhalb einer Kategorie einen Favoriten oder nach einem günstigen Angebot zu suchen.

Kategorie A: zweirädriges Lastenrad vom Typ "Long John"

Ein Lastenrad vom Typ "Long John" hat vor dem Lenker eine große Ladefläche. Das Vorderrad ist entspechend weit vorne und wird indirekt über ein Stab oder ein Seil gelenkt.

bakfiets-CargoBike-classic-long.jpg Ein Classic Long auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

Vorteile: Ohne Beladung fährt sich ein Long John recht ähnlich zu einem gewöhnlichen Fahrrad. Die meisten Menschen gewöhnen sich an die indirekte Lenkung schnell und können nach kurzer Zeit souverän fahren. Kurven lassen sich recht schnell fahren. Die Ladung ist jederzeit im Sichtfeld der FahrerIn.

Nachteile: Da das Rad nur zwei Räder hat, muss man es an der Ampel abstützen und sich Abstoßen wie bei einem normalen Rad sofern das Lastenrad keine elektrische Anfahrhilfe besitzt. Schrittgeschwindigkeit zu fahren ist recht schwer. Die meisten Räder dieses Typs haben einen recht großen Wendekreis.

Weitere Modelle dieses Typs: Das Bullit von Laryy vs. Harry, Radkutsche Rapid, und das einzige Modell mit einklappbarer Gepäckbox: muli.

Kategorie B: eher gemütlich: Dreirad vom Typ Bakfiets

Ein Bakfiets hat zwei Räder vorne und eins hinten. Zwischen den Vorderrädern ist ein große Kiste. Manche Modelle wie das Christiania Model Light werden in fast unveränderter Form seit mehreren Jahrzehnten gebaut. Dementsprechend kann man sie auch häufig gebraucht finden.

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Das Modell Big der Marke Babboe ist ein klassisches Bakfiets Bild: babboe.de

Vorteile: Durch die drei Räder steht man beim Halten an der Ampel sicher und entspannt. Wird die Ampel grün, kann direkt in die Pedale getreten werden. Das Abstoßen wie bei einem normalen Rad fällt also weg. Auch langsamfahren und um enge Hindernisse herumfahren gelingt mit einem Rad dieser Bauform recht schnell. Da die Box vor dem Lenker und damit direkt im Sichtfeld ist, hat man jederzeit den vollen Überblick.

Nachteile: Das Kurvenfahren mit einem Bakfiets ist gewöhnungsbedürftig. Schnell um die Kurve sollte man, bis man sehr vertraut mit dem Rad ist, gar nicht fahren. Wer es übertreibt, kann das Rad sogar zum Umkippen bringen.

Weitere Modelle dieses Typs: CargoTrike von Bakfiets.nl, Kangaroo und Cargoo von Winther Bikes, Kindertransportrad von Pedalpower und mit spezieller Hinterradlenkung: The Black Iron Horse

Kategorie C: moderne Bakfiets, die sich in die Kurve legen

Um das etwas schwierige Kuvenverhalten eines klassischen Bakfiets zu verbessern, haben verschiedene Hersteller neue Fahrgestelle entwickelt. Die technischen Lösungen sind dabei vielfältig. Gemein ist ihnen, dass sich die Lage der Räder zueinander beziehungsweise relativ zum sonstigen Lastenrad in der Kurve verändert.

mk1e.PNGMK1-E von Butchers & Bicycles

Vorteile: Kurven können schneller und mit höherer Stabilität durchfahren werden. Zumindest in der Theorie. In der Praxis scheiden sich an dem Fahrververhalten dieser Räder die Geister. Auch hier gilt: ausprobieren.

Nachteile: Die Modelle mit Neigetechnik sind meist etwas teurer. Manche Modelle neigen sich auch im Stehen, das stört zum Beispiel beim Beladen bzw. Einsteigen der Kinder.

Weitere Modelle dieses Typs: kids von Chike, Mono und Boxter von Triobike, Babboe Carve-E

triobike-mono.jpg Das Mono von Triobike

Kategorie D: Sitzbank hinterrücks: das Longtail

Am ehesten die Bauform eines normalen Fahrrads haben die Räder der Bauform "Longtail". Dabei ist der Hinterbau verlängert und verstärkt. Damit kann dort zum Beispiel eine Sitzbank für Kinder untergebracht werden.

bicicapace-green.jpg Das Justlong von bicicapace bietet Platz für bis zu drei kleine Fahrgäste.

Vorteile Wer mit einem Kindersitz auf einem normalen Fahrrad zurechtkommt, fühlt sich mit einem Longtail gleich wie zu Hause. Das Fahrverhalten ist quasi identisch. Je nach angebrachtem Zubehör sind die Longtails ziemlich handlich. Die geringe Breite ist im Stadteverkehr genauso hilfreich wie zu Hause beim Unterbringen des Rades.

Nachteile Die Anordnung hinereinander ist nicht ganz so kommunikativ wie bei den anderen Modellen. Da die Kinder einen großen Rücken eines Erwachsenen vor sich haben, entfällt für sie auch der freie Blick nach vorne.

Weitere Modelle vom Typ Longtail: Rad Wagon, Yuba Mundo und Multicharger von Riese & Müller